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Das Rendezvous System

Das Krankenhaus Herrenberg führt seit September des vergangenen Jahres mit dem Rettungsdienst im Kreis Böblingen ein Projekt durch:

Der Rettungswagen und der Notarzt fahren derzeit getrennt zu einem Einsatz. Dadurch ist ein Notarzt flexibler und nicht an den Rettungswagen gebunden; er kann schneller zu einem nachfolgenden Einsatz eilen. Das ist wichtig, denn je schneller ein Notarzt vor Ort ist, desto größer sind die Chancen, einen erkrankten oder verunglückten Patienten zu retten. Bis Ende dieses Jahres läuft das Projekt.

Unter einem Rendezvous stellt man sich landläufig ein Treffen zweier Personen vor. Im Bereich des Rettungswesens hat der Begriff aller dings einen anderen Hintergrund: Man spricht  von einem Rendezvous-System, wenn sich Rettungswagen und Notarzt vor Ort bei einer erkrankten oder verunglückten Person treffen, sprich mit verschiedenen Fahrzeugen anfahren. Im Gegensatz dazu wird von einem Kompaktsystem gesprochen, wenn der Notarzt im Rettungswagen sitzt und mit diesem ausrückt.

Im Raum Herrenberg wurde jahrelang das Kompaktsystem angewandt. Seit September des vergangenen Jahres gibt es nun ein Pilotprojekt des Krankenhauses Herrenberg gemeinsam mit dem Rettungsdienst für den Kreis Böblingen. Initiiert hat dieses Projekt Gerhard Fuchs, der seit April vergangenen Jahres Rettungsdienstleiter und Prokurist der DRK-Rettungsdienst gGmbH im Kreis Böblingen ist. „Es war eine meiner ersten Aufgaben, das Kompaktsystem zu splitten und das Rendezvous-System zu erproben“, sagt Fuchs. „Unser Ziel ist, aus unseren Ressourcen das Optimum herauszuholen.“ Um das Projekt durch zuführen, wurde auf das Ersatzfahrzeug des Rettungsdienst-Fuhrparks zurückgegriffen, der Wagen ist am Krankenhaus Herrenberg stationiert.

Das Landesrettungsdienstgesetz in BadenWürttemberg besagt, dass in 95 Prozent aller Fälle die Hilfsfrist von maximal 15 Minuten nicht überschritten werden soll. Die Hilfsfrist umfasst den Zeitraum vom Eingang des Notrufs in der Integrierten Leitstelle von Rettungsdienst und Feuerwehr (Notruf 112) bis zum Eintreffen der Hilfe. Ein Kompaktsystem gewährleistet die Einhaltung dieser Frist. Das Rendezvous System allerdings garantiert eine deutlich höhere Flexibilität der Notärzte. Zum einen können die Notärzte früher vor Ort eintreffen, da ihre Fahrzeuge schneller sind als ein Rettungswagen, zum anderen können sie rascher wieder abrücken. „Beim Rendezvous-System wird der Notarzt schneller wieder frei. Die Notärzte können dadurch effizienter und gezielter eingesetzt werden“, sagt Alexandra Freimuth, Direktorin des Herrenberger Krankenhauses, aus dem 20 Mediziner auch als Notärzte Dienste versehen.

Das Projekt sollte ursprünglich bis Ende Februar 2014 erprobt werden, wird nun aber ausgeweitet bis zum Ende des Jahres. „Wir können dadurch das Projekt adäquat auswerten und uns auf belastbare Zahlen und Fakten stützen“, sagt
Fuchs. Zwei Fakten sind allerdings jetzt schon bekannt: Sollte aus dem Pilotprojekt ein Regelbetrieb im Rendezvous System erwachsen, dann sind zusätzlich fünf Personalstellen zur Besetzung des Notarztwagens nötig, zudem muss ein Notarztfahrzeug angeschafft werden. Kostenpunkt inklusive Ausstattung: etwa 100.000 Euro.

24. July 2014 12:00 Uhr. Alter: 3 Jahre